Grünkalk: Was hinter grünem Kalk steckt
Grünkalk ist kein Düngemitteltyp nach der Düngemittelverordnung, sondern ein Handelsname für Kalk, der zur Kalkung von Grünland, Weiden oder Rasenflächen angeboten wird. Welcher Kalk tatsächlich geliefert wird, zeigt erst die Typbezeichnung auf dem Etikett.
Redaktion KALKPERLEN, Kassel · Stand Oktober 2026 · mit Quellen
Was bedeutet Grünkalk?
Das Wort Grünkalk, oft auch grüner Kalk oder Grün Kalk geschrieben, bezeichnet im Handel Kalk, der für die Kalkung von Grünland, Weiden oder Rasenflächen angeboten wird. Die Farbe des Produkts hat damit nichts zu tun. Gemeint ist der Einsatzort, also die grüne Fläche.
Rechtlich ist Grünkalk kein eigener Düngemitteltyp. Die Düngemittelverordnung (DüMV) regelt Kalkdünger in Anlage 1 Abschnitt 1.4 und kennt dort sechs Typen: Kohlensaurer Kalk, Branntkalk, Mischkalk, Hüttenkalk, Konverterkalk und Kalkdünger aus industriellen Nebenprodukten. Jeder Kalk, der als Grünkalk verkauft wird, muss einem dieser Typen entsprechen und auf dem Etikett oder dem Warenbegleitschein mit dieser Typbezeichnung gekennzeichnet sein.
Für Sie als Landwirt heißt das: Der Name Grünkalk sagt nichts über Gehalt, Bindungsform oder Wirkungsgeschwindigkeit aus. Diese Angaben finden Sie nur in der Kennzeichnung.
Welche Kalkdüngertypen stecken hinter dem Begriff?
Die Typen unterscheiden sich vor allem in der chemischen Bindungsform der basisch wirksamen Bestandteile. Das DLG-Merkblatt 456 ordnet ihnen Neutralisationswerte und Wirkungsgeschwindigkeiten zu. Der Neutralisationswert (NW) gibt an, wie viel basisch wirksame Substanz ein Kalk enthält, ausgedrückt in Prozent CaO.
| Typ nach DüMV | Mindestgehalt laut DüMV | Bindungsform | NW laut DLG | Wirkung laut DLG |
|---|---|---|---|---|
| Kohlensaurer Kalk | 75 % CaCO3 | Carbonat | 42 bis 57 % | mittelfristig, Tage bis einige Monate |
| Branntkalk | 65 % CaO | Oxid | 70 bis 111 % | kurzfristig, einige Stunden |
| Mischkalk | 50 % CaO | Carbonat, Oxid, Hydroxid | 50 bis 60 % | kurzfristig, einige Stunden |
| Hüttenkalk | 42 % CaO | Silikat | 40 bis 50 % | mittelfristig |
| Konverterkalk | 40 % CaO | Silikat, Oxid | 40 bis 50 % | mittelfristig |
| Kalkdünger aus Nebenprodukten, zum Beispiel Carbokalk | 30 % CaO in der Trockenmasse | je nach Herkunft | Carbokalk 15 bis 25 % | Carbokalk kurzfristig, Tage bis Wochen |
Wer also einen als Grünkalk beworbenen Kalk kauft, kann einen langsam und nachhaltig wirkenden kohlensauren Kalk bekommen oder einen schnell wirkenden Kalk mit Branntkalkanteil. Für die Grünlandnarbe macht das einen deutlichen Unterschied. Einen Überblick über alle Arten finden Sie im Vergleich der Kalkdünger-Arten.
Welcher Kalk eignet sich für Grünland?
Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Eifel empfiehlt für die Grünlanddüngung bevorzugt kohlensauren Kalk. Begründung: Calciumcarbonat ist in Wasser weniger löslich als Calciumoxid, wirkt dadurch langsamer und über einen längeren Zeitraum. Das DLR nennt für kohlensauren Kalk Durchschnittsgehalte von 80 bis 95 % CaCO3 und bezeichnet ihn als besonders für Grünland geeignet.
Auf Standorten, die bekanntermaßen arm an Magnesium sind, rät das DLR zu magnesiumhaltigen Kalken, damit die Tiere über das Futter ausreichend Magnesium aufnehmen. Kohlensaurer Magnesiumkalk enthält laut DLR 80 bis 95 % CaCO3, davon 15 bis 40 % MgCO3.
Branntkalk mit 75 bis 90 % CaO sieht das DLR auf Grünland nur für schwere Böden und für die Gesundungskalkung vor, weil er schnell wirkt und stark ätzend ist. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) stuft auch Mischkalk als schnell wirksam, aber wenig nachhaltig ein und hält beide nicht für leichte Standorte geeignet. Konverterkalk mit rund 43 % CaO, davon 5 % MgO, beschreibt der LLH dagegen als kieselsauren Kalk mit nachhaltiger Wirkung, der sich gut für die Erhaltungskalkung eignet. Mehr dazu im Vergleich Konverterkalk oder kohlensaurer Kalk.
Wie viel Kalk braucht Grünland?
Die Menge richtet sich nach der Bodenuntersuchung. Das DLR Eifel empfiehlt, den Boden alle vier Jahre zu beproben. Ist der optimale pH-Wert erreicht, reichen zur Erhaltung nach Angaben des DLR etwa 4 bis 8 dt CaO je Hektar alle vier Jahre. Das entspricht 7 bis 14 dt CaCO3 je Hektar. Für die Umrechnung gilt: CaO mal 1,75 ergibt CaCO3.
Liegt der pH-Wert darunter, unterscheidet das DLR zwischen Aufkalkung und Gesundungskalkung. Die maximale Einzelgabe gibt das Faltblatt je nach Bodenart mit 15 dt CaO je Hektar auf Sand bis 30 dt CaO je Hektar auf Lehm bis Ton an. Ist mehr Kalk nötig, wird die Kalkung in den Folgejahren wiederholt.
Dass mehr nicht automatisch besser ist, zeigen Langzeitversuche der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Auf zwei Standorten im Allgäu und im Vorderen Bayerischen Wald wurden über 10 bis 11 Jahre verschiedene Kalkarten und Kalkmengen zu Gülle und KAS verglichen. Auf beiden Standorten sank der pH-Wert bei güllebasierter Düngung auch ohne Kalk nicht ab. Kalkung hob am Standort Spitalhof den pH-Wert signifikant an, positive Effekte auf Ertrag, Pflanzenbestand und Futterwertzahl ließen sich aber auf keinem der beiden Standorte nachweisen. Die Variante mit einer Kalkdüngung weit über der Empfehlung hatte am Spitalhof sogar den signifikant niedrigsten Rohproteinertrag. Die Bedarfsermittlung erklären wir unter Bodenprobe und Kalkbedarf und im Ratgeber pH-Wert im Grünland.
Worauf sollten Sie beim Kauf von Grünkalk achten?
Lesen Sie die Kennzeichnung, nicht den Produktnamen. Folgende Angaben sind für die Entscheidung wichtig:
- Typbezeichnung: Sie zeigt, ob es sich um kohlensauren Kalk, Mischkalk, Konverterkalk oder einen anderen Typ handelt.
- Neutralisationswert: Er bestimmt die nötige Produktmenge. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein rechnet so: Kalkbedarf in dt CaO je Hektar geteilt durch den Neutralisationswert ergibt die Produktmenge. Bei 10 dt CaO Bedarf und einem Neutralisationswert von 50 % CaO sind das 20 dt Produkt je Hektar.
- Reaktivität: Für kohlensauren Kalk schreibt die DüMV mindestens 30 % vor. Ab 80 % darf der Hinweis „leicht umsetzbar“ angegeben werden.
- Magnesium: Übersteigt bei kohlensaurem Kalk der Gehalt an MgCO3 und MgO 15 %, lautet die Bezeichnung „Kohlensaurer Magnesiumkalk“.
- Körnung: Je feiner die Vermahlung, desto größer die Oberfläche und desto schneller die Umsetzung im Boden, so das DLG-Merkblatt 456. Granulierte Kalke lassen sich laut DLG staubarm auch mit herkömmlichen Düngerstreuern ausbringen.
Wie Sie die Werte vergleichen, steht im Ratgeber Neutralisationswert und Reaktivität.
Wann und wie wird Grünland gekalkt?
Grundsätzlich kann Grünland laut DLR Eifel das ganze Jahr gekalkt werden, wenn Witterung und Befahrbarkeit es zulassen. Bevorzugt wird häufig der arbeitsärmere Zeitraum im Spätherbst und Winter. Das DLG-Merkblatt 456 empfiehlt, den Kalk auf Grünland zeitnah nach dem Ausbringen durch Abschleppen in die Narbe einzuarbeiten.
Beim Zusammenspiel mit Gülle kommt es auf die Kalkart an. Bei kohlensauren Kalken sind laut LLH unter Praxisbedingungen keine erhöhten Ammoniakverluste zu erwarten. Bei Brannt- und Mischkalk soll zwischen Kalkung und Gülle mindestens ein stärkerer Niederschlag den Kalk eingewaschen haben, optimal sind zusätzlich 2 bis 3 Wochen Abstand.
Wer auf Grünland einen kohlensauren Kalk in gekörnter Form einsetzen möchte, findet mit dem KALKPERLEN Kalkgranulat einen granulierten kohlensauren Kalk, der mit dem Düngerstreuer ausgebracht werden kann.
Häufige Fragen
Ist Grünkalk ein eigener Düngemitteltyp?
Ist grüner Kalk grün gefärbt?
Welcher Kalk wird für Grünland empfohlen?
Wie viel Kalk braucht Grünland zur Erhaltung?
Kann ich Grünkalk zusammen mit Gülle ausbringen?
Quellen
- Bundesministerium der Justiz (DüMV 2012, aktuelle Fassung): Düngemittelverordnung, Anlage 1 Abschnitt 1.4 Kalkdünger
- DLG e. V. (2022): DLG-Merkblatt 456, Hinweise zur Kalkdüngung, 3. Auflage
- DLR Eifel, Gruppe Grünland (2025): Grünland kalken, Faltblatt
- LfL Bayern, Diepolder und Raschbacher (2015): Kalkdüngung zu Grünland, Versuchsergebnisse von zwei bayerischen Standorten
- Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (2021): Kalken auf dem Grünland