Konverterkalk oder kohlensaurer Kalk?
Konverterkalk ist ein Kalkdünger aus der Stahlherstellung, dessen basische Bestandteile überwiegend als Calcium- und Magnesiumsilikate vorliegen, während kohlensaurer Kalk aus natürlichen Lagerstätten stammt und als Calciumcarbonat wirkt. In Wirkungsgeschwindigkeit und Einsatzbereich ordnet das DLG-Merkblatt 456 beide ähnlich ein, die Unterschiede liegen in Herkunft, Bindungsform und Begleitstoffen.
Redaktion KALKPERLEN, Kassel · Stand Oktober 2026 · mit Quellen
Wie entsteht Konverterkalk?
Konverterkalk ist ein Nebenprodukt der Stahlherstellung. Die Düngemittelverordnung (DüMV) beschreibt ihn in Anlage 1 Nummer 1.4.5 als Silikate und Oxide von Calcium und Magnesium aus der Herstellung unlegierter Stähle. Hergestellt wird er durch Vermahlen oder Absieben zerfallener Konverter- und Pfannenschlacke.
In die flüssige Schmelze bei über 1.400 °C dürfen laut DüMV phosphathaltige Aschen oder Rohphosphat zugegeben werden. Solche Produkte müssen dann mindestens 30 % CaO und 3 % P2O5 enthalten. Das DLR Eifel nennt diesen Kalk Thomaskalk, also Konverterkalk mit zugemischtem Phosphat, mit 40 bis 45 % CaO und 3 bis 4 % P2O5.
Kohlensaurer Kalk stammt dagegen aus natürlichen Lagerstätten. Die DüMV nennt als Herkunft Kreide, Kalkstein oder Dolomit, auch Meeralgen. Er wird gebrochen, vermahlen und gesiebt, aber nicht gebrannt oder geschmolzen.
Welche Inhaltsstoffe hat Konverterkalk?
Die DüMV verlangt für Konverterkalk mindestens 40 % CaO. Das DLG-Merkblatt 456 beschreibt die basisch wirksamen Bestandteile als überwiegend silikatisch gebunden, vor allem als Calciumsilikat (CaSiO3) und Magnesiumsilikat (MgSiO3). Daneben liegen geringe Anteile als Oxid, Hydroxid oder Carbonat vor. Die Neutralisationswerte liegen laut DLG zwischen 40 und 50 %.
Weitere Inhaltsstoffe nach DLG-Merkblatt 456:
- Freie Kieselsäure: 8 bis 20 %. Sie hat laut DLG einen strukturverbessernden Effekt und verbessert die Pflanzenverfügbarkeit des im Boden gebundenen Phosphats.
- Magnesium: in wechselnden Gehalten, je nach Einsatzstoff. Die DLG rechnet mit einem Beispielprodukt „Konverterkalk 45“ mit 38 % CaO und 7 % MgO, zusammen ein Neutralisationswert von 48 %.
- Mangan und Spurennährstoffe: Konverterkalk kann Mangan, teilweise Phosphor und weitere Spurennährstoffe enthalten. Diese können laut DLG zur Mikronährstoffversorgung beitragen.
Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) führt Konverterkalk mit 43 % CaO, davon 5 % MgO, als kieselsauren Kalk mit nachhaltiger Wirkung und Spurennährstoffen. Für alle Kalkdünger gelten die Schadstoff-Grenzwerte der DüMV, die beim Inverkehrbringen nicht überschritten werden dürfen.
Was zeichnet kohlensauren Kalk aus?
Kohlensaurer Kalk muss nach DüMV mindestens 75 % CaCO3 enthalten. Der basisch wirksame Bestandteil ist Calciumcarbonat, gegebenenfalls ergänzt durch Magnesiumcarbonat. Das DLG-Merkblatt 456 gibt Neutralisationswerte von 42 bis 57 % an, je nach Magnesiumgehalt. Bis zu 45 % MgCO3 können enthalten sein.
Die DüMV stellt an kohlensauren Kalk zusätzliche Anforderungen: Die Reaktivität muss mindestens 30 % betragen. Ab einer Reaktivität von 80 % darf der Hinweis „leicht umsetzbar“ verwendet werden. Für den Siebdurchgang gelten 97 % bei 3,15 mm und 70 % bei 1,0 mm. Mehr zur Reaktivität im Ratgeber Neutralisationswert und Reaktivität.
Wo liegen die Unterschiede im Überblick?
| Merkmal | Konverterkalk | Kohlensaurer Kalk |
|---|---|---|
| Herkunft | Nebenprodukt der Stahlherstellung | Natürliche Lagerstätten: Kalkstein, Kreide, Dolomit |
| Mindestgehalt DüMV | 40 % CaO | 75 % CaCO3 |
| Bindungsform | überwiegend Silikat, dazu Oxid, Hydroxid, Carbonat | Carbonat |
| Neutralisationswert laut DLG | 40 bis 50 % | 42 bis 57 % |
| Wirkung laut DLG | mittelfristig, Tage bis einige Monate | mittelfristig, Tage bis einige Monate |
| Begleitstoffe laut DLG | freie Kieselsäure, Mangan, teilweise Phosphor, Spurennährstoffe | Magnesium, 0 bis 45 % MgCO3 |
| Einsatzbereich laut DLG | alle Böden; Erhaltungs-, Auf- und Gesundungskalkung | alle Böden; Erhaltungs-, Auf- und Gesundungskalkung |
In Wirkung und Einsatzbereichen sind Hütten- und Konverterkalke laut DLG den kohlensauren Kalken vergleichbar. Der eigentliche Unterschied liegt in der Herkunft, der Bindungsform und den Begleitstoffen.
Eignet sich Konverterkalk für Grünland?
Ja. Der LLH stuft Konverterkalk wie kohlensauren Kalk als gut geeignet für die Erhaltungskalkung auf Grünland ein. Das DLG-Merkblatt 456 nennt für Konverterkalk alle Böden als Einsatzbereich. Das DLR Eifel empfiehlt für die Grünlanddüngung bevorzugt kohlensauren Kalk, weil Calciumcarbonat weniger wasserlöslich ist als Calciumoxid und dadurch langsamer und länger wirkt. Konverterkalk zählt das DLR zu den Düngekalken aus industriellen Prozessen.
Für die Ausbringung auf der Narbe ist die Körnung wichtig. Die DüMV lässt für Konverterkalk drei Siebvarianten zu, darunter eine gröbere mit 97 % Siebdurchgang bei 3,15 mm und 40 % bei 0,315 mm. Für diese Variante ist zusätzlich eine Löslichkeit von Calcium und Magnesium von mindestens 30 % vorgeschrieben. Nach dem Streuen sollte der Kalk auf Grünland laut DLG zeitnah durch Abschleppen in die Narbe eingearbeitet werden.
Für die Menge gilt auf Grünland dieselbe Rechnung wie bei jedem anderen Kalk. Das DLR Eifel nennt für die Erhaltungskalkung bei optimalem pH-Wert etwa 4 bis 8 dt CaO je Hektar alle vier Jahre. Mit einem Konverterkalk von 48 % Neutralisationswert, wie im Beispiel der DLG, entspricht das rund 8 bis 17 dt Ware je Hektar. Mit einem kohlensauren Kalk von 50 % Neutralisationswert sind es 8 bis 16 dt Ware. Bei gleichem Neutralisationswert unterscheiden sich die Ausbringmengen also kaum.
Beim Zusammenspiel mit Gülle sieht der LLH bei kohlensauren Kalken unter Praxisbedingungen keine Gefahr erhöhter Ammoniakverluste. Kritisch sind laut LLH vor allem schnell wirksame Kalke wie Brannt- und Mischkalk. Mehr dazu im Ratgeber Kalk und Gülle.
Wie entscheiden Sie zwischen beiden Kalken?
Grundlage ist die Bodenuntersuchung. Sie zeigt den pH-Wert und den Kalkbedarf in dt CaO je Hektar. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein weist darauf hin, dass die CaO-Bedarfsmenge nicht mit der Produktmenge zu verwechseln ist. Die nötige Produktmenge ergibt sich aus Kalkbedarf geteilt durch den Neutralisationswert. Bei 10 dt CaO Bedarf und einem Neutralisationswert von 50 % sind 20 dt Produkt je Hektar nötig.
Danach helfen drei Fragen:
- Braucht der Boden Magnesium? Auf magnesiumarmen Standorten empfiehlt das DLR Eifel magnesiumhaltige Kalke. Beide Kalkarten gibt es mit Magnesiumanteil.
- Werden die Begleitstoffe gebraucht? Die DLG empfiehlt, Nebenbestandteile wie Phosphor, Magnesium oder Spurenelemente finanziell zu bewerten, wenn sie im Betrieb voll genutzt werden können.
- Wie wird gestreut? Granulierte Kalke lassen sich laut DLG mit Großflächenstreuern oder herkömmlichen Düngerstreuern staubarm ausbringen. Feuchte Kalke werden in der Regel lose mit Großflächenstreutechnik verteilt.
Wer sich für einen kohlensauren Kalk in Granulatform entscheidet, kann das KALKPERLEN Kalkgranulat mit dem eigenen Düngerstreuer ausbringen. Die Gehalte stehen im Datenblatt, die Mengenberechnung übernimmt der Kalkrechner.
Häufige Fragen
Was ist Konverterkalk?
Welche Inhaltsstoffe hat Konverterkalk?
Wirkt Konverterkalk schneller als kohlensaurer Kalk?
Kann ich Konverterkalk auf Grünland streuen?
Was ist der Unterschied zwischen Konverterkalk und Thomaskalk?
Quellen
- Bundesministerium der Justiz (DüMV 2012, aktuelle Fassung): Düngemittelverordnung, Anlage 1 Abschnitt 1.4 Kalkdünger
- DLG e. V. (2022): DLG-Merkblatt 456, Hinweise zur Kalkdüngung, 3. Auflage
- Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (2021): Kalken auf dem Grünland
- DLR Eifel, Gruppe Grünland (2025): Grünland kalken, Faltblatt
- Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Bauernblatt (2021): Kalkung, Welcher Kalk soll es sein?