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Mischkalk: Was ist das und wann ist er sinnvoll?

Mischkalk ist ein Kalkdünger aus kohlensaurem Kalk und Branntkalk, der laut Düngemittelverordnung mindestens 50 % CaO enthält, wovon höchstens 75 % als Carbonat vorliegen dürfen. Durch den Branntkalkanteil hebt er den pH-Wert schnell an und eignet sich vor allem für die Aufkalkung mittlerer bis schwerer Böden.

Redaktion KALKPERLEN, Kassel · Stand Oktober 2026 · mit Quellen

Was ist Mischkalk?

Mischkalk ist ein Kalkdüngertyp nach Anlage 1 Nummer 1.4.3 der Düngemittelverordnung (DüMV). Er enthält Calciumcarbonat, Calciumhydroxid oder Calciumoxid, gegebenenfalls ergänzt durch Magnesiumverbindungen, aus natürlichen Lagerstätten. Die DüMV verlangt mindestens 50 % CaO. Davon dürfen höchstens 75 % als Carbonat vorliegen. Ein Mischkalk enthält also immer einen Anteil an Branntkalk oder gelöschtem Kalk.

Hergestellt wird er laut DüMV durch Mischen oder durch teilweises Brennen. Zur Staubbindung darf Wasser zugegeben werden. Auch recarbonatisierter Branntkalk fällt unter diese Typbezeichnung. Wird Wasser zugegeben, muss der Hersteller auf eine mögliche geringere Wirkungsgeschwindigkeit durch Recarbonatisierung hinweisen. Für die Körnung gilt ein Siebdurchgang von 97 % bei 4,0 mm und 50 % bei 0,8 mm.

Das DLG-Merkblatt 456 beschreibt Mischkalk als Mischung von carbonatischen Kalken mit Branntkalk und nennt Neutralisationswerte von 50 bis 60 %. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) gibt 60 bis 65 % CaO an, teilweise als MgO. Enthält der Kalk nennenswerte Magnesiumanteile, wird er als Magnesium-Mischkalk gehandelt.

Wie schnell wirkt Mischkalk?

Mischkalk wirkt schnell. Das DLG-Merkblatt 456 ordnet Brannt- und Mischkalke als kurzfristig wirksam ein, innerhalb von einigen Stunden. Kohlensaure Kalke wirken laut DLG dagegen mittelfristig, innerhalb von Tagen bis einigen Monaten.

Den Grund nennt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein: Mit Branntkalk (CaO) wird im Vergleich zu kohlensaurem Kalk (CaCO3) sehr schnell eine Erhöhung des pH-Werts erreicht. Der LLH fasst Mischkalk als schnell wirksam, aber wenig nachhaltig zusammen. Der carbonatische Anteil im Mischkalk wirkt langsamer nach, der Branntkalkanteil sorgt für den schnellen Anstieg.

Zur Einordnung der Werte lohnt ein Blick in den Ratgeber Neutralisationswert und Reaktivität.

Wann ist Mischkalk sinnvoll?

Mischkalk spielt seine Stärke aus, wenn der pH-Wert rasch steigen soll. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hält Brannt- oder Mischkalke mit Branntkalkanteil für sehr gut geeignet bei Aufkalkung und bei Böden mit hohem Ziel-pH-Wert. Das DLG-Merkblatt 456 nennt als Einsatzbereiche mittlere bis schwere Böden, und zwar für:

  • Aufkalkung: wenn der pH-Wert unter dem optimalen Bereich liegt.
  • Gesundungskalkung: auf stark versauerten Flächen.
  • Strukturkalkung: zur Verbesserung der Bodenstruktur auf schweren Böden.

Für die Gesundungskalkung auf Problemstandorten nennt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein Höchstgaben für die gesamte Krume: 30 dt CaO je Hektar auf leichten Böden, 60 dt auf mittleren und 80 dt auf schweren Böden. Wie sich der Bedarf ermitteln lässt, beschreibt der Ratgeber Kalkbedarf nach VDLUFA.

Wann ist kohlensaurer Kalk die bessere Wahl?

Auf leichten Böden und zur Erhaltungskalkung empfiehlt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein vor allem kohlensaure Kalke mit langsamerer, länger anhaltender Wirkung. Eine zu schnelle Umsetzung kann den Ziel-pH-Wert überschreiten und Nährstoffe festlegen. Als Beispiel für die Folgen übermäßiger Kalkung nennt die Kammer ertragswirksamen Manganmangel. Auch der LLH hält Mischkalk für leichte Standorte nicht geeignet, weil diese Böden zu wenig puffern.

Auf Grünland empfiehlt das DLR Eifel bevorzugt kohlensauren Kalk, weil er langsamer und über einen längeren Zeitraum wirkt. Branntkalk sieht das DLR dort nur für schwere Böden und die Gesundungskalkung vor, da er stark ätzend ist. Für Mischkalk mit seinem Branntkalkanteil gilt auf der Narbe deshalb Zurückhaltung. Mehr dazu im Ratgeber Grünland kalken.

Wer auf leichten Böden, im Grünland oder für die regelmäßige Erhaltungskalkung einen kohlensauren Kalk sucht, der sich mit dem Düngerstreuer ausbringen lässt, kann das KALKPERLEN Kalkgranulat einsetzen.

Was gilt für Mischkalk und Gülle?

Schnell wirksame Kalke führen laut DLG-Merkblatt 456 zu einem kurzfristigen, raschen Anstieg des pH-Werts. Um negative Wechselwirkungen mit organischen und ammoniumhaltigen Düngern zu vermeiden, sollte entweder ein größerer Zeitabstand eingehalten oder zwischen den Düngemaßnahmen eine mischende Bodenbearbeitung durchgeführt werden. Kalkdünger mit Branntkalkanteil müssen laut DLG vor der Gülleausbringung eingearbeitet werden.

Für Grünland, wo nicht eingearbeitet wird, nennt der LLH eine klare Regel: Zwischen Kalkung mit Brannt- oder Mischkalk und Gülle soll mindestens ein stärkerer Niederschlag den Kalk eingewaschen haben. Optimal sind zusätzlich 2 bis 3 Wochen Abstand. Ammoniakverluste aus Gülle treten laut LLH auf, wenn der pH-Wert über 8 liegt. Bei kohlensauren Kalken sehen DLG und LLH unter Praxisbedingungen keine kalkbedingten Stickstoffverluste.

Bei höheren Gaben kurzfristig wirkender Kalke kann laut DLG außerdem die Mobilität von Kupfer, Zink und Mangan eingeschränkt sein. Bei niedriger Bodenversorgung in Gehaltsklasse A empfiehlt die DLG eine Ausgleichsdüngung mit diesen Mikronährstoffen.

Was ist bei Lagerung und Ausbringung zu beachten?

Der Branntkalkanteil verlangt Sorgfalt. Branntkalk reagiert laut DLG-Merkblatt 456 mit Wasser schnell unter Bildung von Löschkalk, deshalb sind bei der Lagerung grundsätzlich Maßnahmen gegen Feuchtigkeit nötig. Die DüMV erlaubt beim Mischkalk zwar eine Wasserzugabe zur Staubbindung, verlangt dann aber den Hinweis, dass die Wirkung durch Recarbonatisierung langsamer werden kann. Ein feucht gelagerter Mischkalk wirkt also unter Umständen nicht mehr so schnell wie erwartet.

Trockene, mehlförmige Kalke erfordern laut DLG Großflächenstreutechnik mit Streuschnecken für eine bodennahe und staubarme Ausbringung. Angefeuchtete Kalke werden meist lose per Kipper angeliefert und mit großen Tellerstreuwerken verteilt. Auf Ackerland beschleunigt flaches Einarbeiten laut DLG die Umsetzung.

Wie berechnen Sie die Menge Mischkalk?

Die Bodenuntersuchung gibt den Kalkbedarf in dt CaO je Hektar an. Daraus ergibt sich laut Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein die Produktmenge: Kalkbedarf geteilt durch den Neutralisationswert des Produkts. Bei 10 dt CaO Bedarf und einem Mischkalk mit 50 % Neutralisationswert sind das 20 dt Ware je Hektar, bei 60 % Neutralisationswert rund 17 dt.

KalkartNW laut DLGWirkung laut DLGEinsatzbereich laut DLG
Kohlensaurer Kalk42 bis 57 %mittelfristigalle Böden; Erhaltungs-, Auf- und Gesundungskalkung
Mischkalk50 bis 60 %kurzfristigmittlere bis schwere Böden; Auf-, Gesundungs- und Strukturkalkung
Branntkalk70 bis 111 %kurzfristigmittlere bis schwere Böden; Auf-, Gesundungs- und Strukturkalkung

Die Umrechnung für Ihre Fläche übernimmt der Kalkrechner. Den Vergleich mit reinem Branntkalk finden Sie unter kohlensaurer Kalk oder Branntkalk.

Häufige Fragen

Was ist Mischkalk?

Mischkalk ist ein Kalkdünger aus kohlensaurem Kalk und Branntkalk oder gelöschtem Kalk. Die Düngemittelverordnung verlangt mindestens 50 % CaO, davon höchstens 75 % als Carbonat.

Wie schnell wirkt Mischkalk?

Das DLG-Merkblatt 456 ordnet Mischkalk als kurzfristig wirksam ein, innerhalb von einigen Stunden. Der LLH beschreibt ihn als schnell wirksam, aber wenig nachhaltig.

Für welche Böden ist Mischkalk geeignet?

Laut DLG für mittlere bis schwere Böden zur Auf-, Gesundungs- und Strukturkalkung. Für leichte Standorte halten LLH und Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein kohlensaure Kalke für besser geeignet.

Darf ich Mischkalk kurz vor Gülle ausbringen?

Nein. Laut LLH soll zwischen Mischkalk und Gülle mindestens ein stärkerer Niederschlag liegen, optimal zusätzlich 2 bis 3 Wochen Abstand. Auf Ackerland soll der Kalk laut DLG vor der Gülle eingearbeitet werden.

Ist Mischkalk für Grünland geeignet?

Das DLR Eifel empfiehlt für Grünland bevorzugt kohlensauren Kalk und Branntkalk nur auf schweren Böden zur Gesundungskalkung, weil er stark ätzend ist. Wegen des Branntkalkanteils ist Mischkalk auf der Narbe daher eher die Ausnahme.

Quellen

  1. Bundesministerium der Justiz (DüMV 2012, aktuelle Fassung): Düngemittelverordnung, Anlage 1 Abschnitt 1.4 Kalkdünger
  2. DLG e. V. (2022): DLG-Merkblatt 456, Hinweise zur Kalkdüngung, 3. Auflage
  3. Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Bauernblatt (2021): Kalkung, Welcher Kalk soll es sein?
  4. Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (2021): Kalken auf dem Grünland
  5. DLR Eifel, Gruppe Grünland (2025): Grünland kalken, Faltblatt

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